Entwicklung von PNE

PsychoNeuroEnergetics wurde von Judith Johnson entwickelt. Über viele Jahre hat sie unterschiedliche therapeutische Ansätze erforscht und miteinander verbunden, um einen ganzheitlichen Zugang zu menschlichen Veränderungsprozessen zu entwickeln.

Ein zentrales Element dabei ist das autonome Nervensystem – als verbindendes System zwischen körperlichem Erleben, Emotionen und unserer Reaktion auf innere und äußere Erfahrungen.

Verschiedene therapeutische Fachrichtungen betrachten häufig unterschiedliche Aspekte des Menschen: Psychotherapie arbeitet schwerpunktmäßig mit Emotionen, Gedanken und Überzeugungen, körperorientierte Ansätze mit körperlichen Prozessen. PNE verbindet diese Perspektiven und bezieht dabei insbesondere die Regulation des autonomen Nervensystems mit ein.

So können körperliche Wahrnehmung, Nervensystem, Emotionen, Gedanken und persönliche Erfahrungen miteinander in Beziehung treten und einen ganzheitlichen therapeutischen Prozess bilden.

Bausteine von PNE

Unser autonomes Nervensystem hilft uns, auf Belastungen und Bedrohungen zu reagieren. Es aktiviert je nach Situation unterschiedliche Schutz- und Überlebensreaktionen – beispielsweise Kampf, Flucht oder Erstarrung.

Diese Reaktionen sind zunächst sinnvolle automatische Reaktionen unseres Organismus. Sie ermöglichen es uns, in einer bedrohlichen Situation schnell zu handeln oder uns zu schützen. Welche Reaktion sich entwickelt und wie gut das Nervensystem anschließend wieder in die Regulation zurückfindet, hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem von den persönlichen Ressourcen, dem Erleben von Sicherheit und Vertrauen, der Unterstützung durch andere Menschen und der Dauer und Art der Belastung. Bei länger anhaltenden oder wiederkehrenden Belastungen, wie sie beispielsweise bei Entwicklungstrauma vorkommen können, kann die Fähigkeit zur Regulation besonders nachhaltig beeinflusst werden.

Wenn die Bedrohung vorbei ist und wieder ausreichend Sicherheit entsteht, kann sich das Nervensystem normalerweise zunehmend regulieren. Nach belastenden Erfahrungen kann diese Regulation jedoch erschwert sein. Bestimmte Reaktionsmuster können sich als implizite Reaktionen verankern und später automatisch aktiviert werden, ohne dass uns bewusst ist, warum wir gerade so reagieren.

Implizite Reaktionen sind durch frühere Erfahrungen geprägte, meist unbewusst ablaufende Reaktionsmuster. Sie können sich beispielsweise in innerer Anspannung, Nervosität, erhöhter Wachsamkeit, Rückzug, Erschöpfung oder einem Gefühl von Hilflosigkeit und Erstarrung zeigen. Sie können aber auch als starke emotionale Reaktionen auftreten – etwa als Wut, Angst oder Traurigkeit. Oft erleben wir uns diesen Reaktionen geradezu ausgeliefert: Wir reagieren, bevor wir bewusst wahrnehmen können, was in uns geschieht, und erleben vielleicht immer wieder ähnliche Situationen oder Reaktionsmuster.

Auch Situationen, die an frühere Erfahrungen erinnern, können solche Reaktionen auslösen, obwohl die ursprüngliche Gefahr längst vorbei ist.

In der körperorientierten Arbeit wird deshalb nicht nur betrachtet, was einem Menschen passiert ist, sondern auch, wie sich diese impliziten Reaktionen heute im eigenen Erleben und im Nervensystem zeigen.

Ein sicherer Rahmen und eine dosierte Annäherung können dabei unterstützen, solche Reaktionen wahrzunehmen und neue Erfahrungen von Regulation und Sicherheit zu ermöglichen.

Link zu einem kurzen animierten Video zum Nervensystem und Trauma

Der Vagusnerv ist ein wichtiger Bestandteil des autonomen Nervensystems. Als längster Hirnnerv verbindet er das Gehirn mit zahlreichen Organen und ist unter anderem an der Regulation von Herz, Atmung und Verdauung beteiligt.

Er ist Teil eines komplexen Regulationssystems, das fortlaufend Informationen aus dem Körper und der Umwelt verarbeitet und unseren körperlichen Zustand an unterschiedliche Anforderungen anpasst. Der Vagusnerv spielt dabei eine wichtige Rolle bei Prozessen, die mit Ruhe, Erholung, Verdauung und sozialem Kontakt verbunden sind.

Ein gut regulierendes Nervensystem zeichnet sich nicht dadurch aus, dass es ständig entspannt ist. Vielmehr geht es um die Fähigkeit, flexibel zwischen Aktivierung und Ruhe, Schutz und Kontakt wechseln zu können und nach einer Belastung wieder in einen regulierteren Zustand zurückzufinden.

In der PNE-Arbeit steht deshalb nicht die isolierte „Aktivierung“ des Vagusnervs im Vordergrund, sondern die Regulationsfähigkeit des gesamten autonomen Nervensystems. Körperorientierte Techniken und Übungen können dabei eingesetzt werden, um die Wahrnehmung des eigenen Zustands zu fördern und Regulation und Selbstregulation zu unterstützen.

Übungen zur Vagusnervstimulation

Mehr über den Vagusnerv und seine Bedeutung in der Therapie

Ein besonderes Merkmal von PNE ist die Arbeit mit spezifischen neurosomatischen Reflexpunkten. Diese Punkte werden während der gesamten PNE-Sitzung gehalten und mit einer achtsamen therapeutischen Facilitation verbunden.

Die neurosomatischen Reflexpunkte stehen in einer reflektorischen Beziehung zum Vagusnerv und zu Bereichen des limbischen Gehirns, die an der Verarbeitung von Emotionen, Erinnerungen und der Bewertung von Erfahrungen beteiligt sind. Im Rahmen der PNE-Arbeit wird diese Verbindung genutzt, um einen Zugang zu tieferliegenden inneren Prozessen zu ermöglichen.

Dabei wird nichts vorgegeben und es wird nicht gezielt nach bestimmten Erinnerungen gesucht. Die Facilitation folgt dem, was sich im Prozess zeigt. Körperliche Empfindungen, Emotionen, innere Bilder, Impulse oder Erinnerungen können dabei ins Bewusstsein treten und achtsam erforscht werden.

So können sich Zusammenhänge und innere Bedeutungen aus dem eigenen Erleben heraus erschließen und bisher unbewusste Reaktionsmuster zugänglich werden.

In einem sicheren und geschützten Raum kann die achtsame Wahrnehmung des Körpers einen Zugang zu Gefühlen, inneren Bildern und weiteren Erfahrungen eröffnen.

Während der PNE-Sitzung wird aufmerksam wahrgenommen, was sich im Körper zeigt: beispielsweise Enge, Druck, Wärme, Kälte, Bewegung oder ein Impuls. Daraus können sich Gefühle, innere Bilder, Erinnerungen oder andere Wahrnehmungen entwickeln.

Dabei wird nicht nach bestimmten Erinnerungen gesucht und nichts vorgegeben. Die Facilitation folgt dem, was sich im Prozess zeigt, und unterstützt dabei, auch intensive oder bisher schwer zugängliche Gefühle in kleinen, wohldosierten Schritten wahrzunehmen.

Auf diese Weise können sich Zusammenhänge erschließen und bisher implizite Reaktionsmuster bewusst werden. Erfahrungen und Überzeugungen können sich verändern und neue Möglichkeiten des Erlebens und Handelns entstehen.

bei welchen Beschwerden und anliegen kann pne unterstützen

Eine Dysregulation des autonomen Nervensystems kann sich auf vielfältige Weise zeigen. Dazu können beispielsweise gehören:

  • innere Anspannung, Unruhe und Nervosität
  • Ängste und Panik
  • Schlafstörungen und Albträume
  • chronische Müdigkeit und Erschöpfung
  • chronische Schmerzen
  • Verdauungsbeschwerden
  • Burnout
  • depressive Verstimmungen

Auch anhaltende Traurigkeit, Schwierigkeiten in Beziehungen oder das Gefühl, von sich selbst oder anderen getrennt zu sein, können mit belastenden Erfahrungen und individuellen Reaktionsmustern verbunden sein.

PNE kann dabei einen körperorientierten Zugang bieten, um solche Reaktionsmuster wahrzunehmen und die dahinterliegenden Prozesse zu erforschen und zu integrieren.

PNE Sitzungen

Eine PNE-Sitzung dauert in der Regel 90 Minuten. Jede Sitzung bildet einen eigenständigen therapeutischen Prozess und kann als Einzelsitzung sinnvoll sein. Je nach Anliegen und persönlicher Situation kann auch eine Reihe von Sitzungen hilfreich sein.

Wenn Sie PNE kennenlernen möchten oder eine Sitzung vereinbaren möchten, nehmen Sie bitte Kontakt mit einer/einem PNE-Practitioner auf.

Link zu PNE-Practitioner